1. Tag (Sa., 24.04.2027): Flug Frankfurt – Sofia, Fahrt nach Sliven
Am Flughafen von Sofia begrüßt uns unsere Reiseleiterin, die heimische deutschsprachige Botanikerin Mihaela Yordanova. Sogleich startet die Weiterfahrt in Richtung Zentralbulgarien, wo wir am Rande des Naturparks Sinite Kamani die erste Nacht verbringen. Beim gemeinsamen Abendessen stimmen wir uns auf die bevorstehende Entdeckungsreise durch die botanischen Schätze der Schwarzmeerküste ein. (A)
Eine Übernachtung nahe Sliven.
2. Tag (So., 25.04.2027): Sliven – Sinite Kamani Nationalpark – Sozopol
Botanisieren zwischen „Blauen Felsen“
Die markanten, oberhalb der Stadt Sliven aufragenden blau-grauen Rhyolith-Felsen verleihen dem Naturpark Sinite Kamani (Blaue Felsen) seinen Namen. Aufgrund der speziellen Geologie weist der Naturpark trotz seiner relativ geringen Größe eine hohe Biodiversität mit zahlreichen Endemiten auf: Er beherbergt 108 Arten mit nationalem und internationalem Naturschutzstatus sowie 43 Arten und 2 Unterarten der Roten Liste Bulgariens; 15 Arten und 1 Unterart kommen nur in Bulgarien vor, 28 weitere Arten sind auf den Balkan beschränkt. Wir botanisieren den Vormittag in dieser beeindruckenden Landschaft und suchen unter Krimbuchen (Fagus sylvatica ssp. moesiaca) u. a. nach der Wildtulpe Tulipa sylvestris ssp. australis verschiedenen Orchideen (Orchis simia, O. ovalis, O. pinetorum, Ophrys mammosa, O. sphegodes), Reichenbachs Schwertlilie (Iris reichenbachii), bulgarischen Ginster (Genista rumelica), Walzen-Wolfsmilch (Euphorbia myrsinites), Felsensteinkraut (Aurinia saxatilis) Goldquirl-Garbe (Achillea clypeolata) und Niedriger Königskerze (Verbascum humile). Ob wir auch zu den etwas abgelegenen Wuchsorten von Tulipa urumoffii (T. hungarica ssp. rhodopea) wandern, werden wir erst vor Ort je nach Wetterbedingungen entscheiden können.
Nachmittags brechen wir – mit interessanten Beobachtungsstopps am Wegesrand – in Richtung Schwarzmeerküste auf und beziehen am Abend im malerischen Küstenstädtchen Sozopol unser nächstes Quartier. (F, M, A)
Zwei Übernachtungen in Sozopol.
3. Tag (Mo., 26.04.2027): Sozopol und Umgebung
Geschützte Pflanzenwelt in den Dünen
Heute erwartet uns ein faszinierendes botanisches Abenteuer an der Schwarzmeerküste, bei dem wir die hochempfindliche und spezialisierte Dünenflora rund um die historische Stadt Sozopol erforschen. Unser Weg führt uns durch eine Kette von streng geschützten Naturgebieten, die als Zufluchtsorte für seltene Pflanzenarten dienen. Hier, an der Grenze zwischen Land und Meer, erleben wir eine dynamische Landschaft aus feinstem Sand, die von windgepeitschten Extremen geprägt ist. Wir lernen die geheimen Überlebensstrategien der Küstenvegetation kennen, die sich perfekt an Salz, Wind und Trockenheit angepasst hat – ein fragiles Ökosystem von rauer, unberührter Schönheit. Hier gedeihen Gelber Affodill (Asphodeline lutea), Velenovskys Ochsenzunge (Anchusa velenovskyi) und Bulgarischer Lein (Linum tauricum subsp. bulgaricum), Zwerg-Schwertlilie (Iris suaveolens), Echter Meerkohl (Crambe maritima), Meer-Schneckenklee (Medicago maritima), Honigduftender Rutenstrauch (Osyris alba), Meerträubel (Ephedra distachya), Niederliegende Lappenblume (Hypecoum ponticum), und die seltene, bedrohte Tulipa thracica (hageri). (F, M, A)
4. Tag (Di., 27.04.2027): Sozopol – Sinemorets
Flussläufe & Dünen im Naturschutzgebiet Ropotamo
Unsere botanische Entdeckungsreise führt uns heute weiter die südliche Schwarzmeerküste entlang durch das Naturschutzgebiet Ropotamo, das vor allem den Mündungsbereich des namensgebenden Flusses umfasst. Als Jagdgebiet der Staatsführung war dieser Bereich, wie auch das nahegelegene megalithische Felsenheiligtum Begliktash, zu kommunistischen Zeiten nicht zugänglich. Dadurch konnten sich hier weitestgehend unberührte Naturräume erhalten. Vormittags besuchen wir einige Dünenkomplexe und Auwälder mit ihrer spezifischen Flora. Zu den botanischen Highlights dieses Küstenabschnitts zählen u. a. Pfauen-Anemone (Anemone pavonina), Bithynischer Blaustern (Scilla bithynica), Penzes‘ Schaumkraut (Cardamine penzesii), Stechender Mäusedorn (Ruscus aculeatus), Sommer-Knotenblume (Leucojum aestivum), Gelber Affodill (Asphodeline lutea), Velenovskys Ochsenzunge (Anchusa velenovskyi), Bulgarischer Lein (Linum tauricum subsp. bulgaricum) und das bedrohte endemische Steinkraut Alyssum borzaeanum. Nachmittags reisen wir gemächlich weiter durch die alten Wälder des Strandzha-Naturparks bis wir am späten Nachmittag das kleine Dorf Sinemorets an der äußersten Südostküste Bulgariens erreichen. Je nach verbleibender Zeit Besuch des wunderschönen Schutzgebiets an der Mündung des Flusses Veleka. Hier erwarten uns u.a. die Weißfrüchtige Esche (Fraxinus angustifolia subsp. oxycarpa), Schmetterlings-Knabenkraut (Orchis papilionacea), Strandwinde (Calystegia soldanella), Strand-Wolfsmilch (Euphorbia peplis), Königskerze (Verbascum bugulifolium) und Griechische Baumschlinge (Periploca graeca). (F, M, A)
Eine Übernachtung in Sinemorets.
5. Tag (Mi., 28.04.2027): Sinemorets – Varna
Die alten Wälder im Naturpark Strandzha & UNESCO-Weltkulturerbe Nessebar
Am Vormittag erkunden wir die alten Wälder des Strandzha-Naturparks und wandern zu einem Schutzgebiet mit für die Region repräsentativen Ostbuchen (Fagus orientalis), verschiedenen Eichenarten, darunter die endemische Strandzha-Eiche (Quercus stranjensis), und Pontischem Rhododendron (Rhododendron ponticum), der Stammart vieler unserer Garten-Rhododendren. Hier begegnen wir weiteren wertvollen Pflanzenarten der pontischen und kolchischen Flora wie Pontischem Seidelbast (Daphne pontica), Lorbeerkirsche (Laurocerasus officinalis), Kaukasischem Borretsch (Trachystemon orientalis), Flaumige Elfenblume (Epimedium pubigerum), Pontischer Schachblume (Fritillaria pontica) und der Traubenhyazinthe Muscari vandasii.
Anschließend geht es wieder zurück an die bulgarische Schwarzmeerküste. Wir fahren über Burgas nach Nessebar – ein kulturelles Wahrzeichen Bulgariens. Für die Besichtigung der UNESCO-geschützten Altstadt Nessebars nehmen wir uns ausreichend Zeit. Die nur über einen schmalen Damm erreichbare historische Altstadt geht auf eine thrakische Siedlung zurück und ist ein wahres Freilichtmuseum vergangener Epochen!
Sofern Tagesverlauf, Wetter und Lichtverhältnisse es erlauben, ist auf der Weiterfahrt nach Varna noch ein kurzer botanischer Stopp am Dorf Schkorpilovtzi zur Erkundung der dortigen Dünenvegetation vorgesehen. (F, M, A)
Eine Übernachtung in Varna.
6. Tag (Do., 29.04.2027): Varna – Kavarna/Krapets
Naturpark Zlatni Pyasatsi (Goldstrand) & Botanischer Garten von Baltschik
Erste Station auf unserem weiteren Weg in den Norden ist das Felsenkloster Aladzha, das an der Grenze zum Naturpark Zlatni Pyasatsi (Goldstrand) liegt. Wir werden von hier aus einem der Wanderwege in den Naturpark folgen und unter hunderte Jahre alten Bäumen botanisieren. Wir erwarten hier u. a. Römisches Knabenkraut (Dactylorhiza romana), Hohe Stechwinde (Smilax excelsa), Blauen Steinsamen (Buglossoides purpuraeocaerulea), Europäischen Zürgelbaum (Celtis australis), Honigduftenden Rutenstrauch (Osyris alba) und wildwachsenden Flieder (Syringa vulgaris).
Das nächste Ziel unserer Fahrt Richtung rumänischer Grenze ist die kleine Stadt Baltschik. Zum historischen Architektur- und Parkkomplex der ehemaligen Sommerresidenz der rumänischen Königin Marie gehört seit 1955 der Universitäts-Botanische Garten Baltschik. Heute werden hier mehrere Tausend Pflanzenarten kultiviert. Besonders bekannt ist die umfangreiche Sammlung von Kakteen und anderen Sukkulenten. Wir hoffen, je nach den saisonalen Arbeitszeiten der zuständigen Betreuer, auch einen Blick hinter die Kulissen zu erhalten. (F, M, A)
Zwei Übernachtungen in Kavarna/Krapets.
7. Tag (Fr., 30.04.2027): Dünenflora und Kap Kaliakra
Der letzte Tag an der nördlichen Schwarzmeerküste gilt nochmals dem ausführlichen Studium der hiesigen Flora. Wir werden mehrere Schutzgebiete besuchen, um die bedrohte endemische Strandwinde (Convolvulus persicus), Nickenden Salbei (Salvia nutans), Sibirischen Meeresrosmarin (Argusia sibirica), Spruners Tragant (Astragalus spruneri), Wegerichblättrigen Natternkopf (Echium plantagineum), Niederliegende Lappenblume (Hypecoum ponticum) und verschiedene Frühlingsblüher wie Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis), Zwergiris (Iris pumila) und als besonderes Highlight die Pfingstrosen (Paeonia peregrina) und (Paeonia tenuifolia) zu bewundern.
Anschließend besuchen wir die malerische, wildromantische Landzunge des Kap Kaliakra, die über zwei Kilometer ins Meer ragt und an der Spitze 60 m steil ins Meer abfällt. Neben einer interessanten Vegetation lassen sich hier auch interessante Vogelarten wie Kalanderlerche, Triel, Nonnensteinschmätzer, Krähenscharbe und mit etwas Glück sogar Delfine beobachten. (F, M, A)
8. Tag (Sa., 01.05.2027): Kavarna/Krapets – Pobiti Kamani-Schutzgebiet – Veliko Tarnovo
Lebendiges Labor der Evolution, orchideenreiche Wälder & historische Hauptstadt
Heute verlassen wir die Schwarzmeerküste und fahren zunächst zum Naturdenkmal Pobiti Kamani, auch bekannt als die „Steinernen Säulen“ – eine der surrealsten Landschaften Europas. Dieses geologische Wunder ist eine von ganz wenigen echten Wüstenlandschaften unseres Kontinents. Vor Millionen von Jahren als Meeresboden entstanden, ragen hier heute bis zu sieben Meter hohe, hohle Kalksteinsäulen wie versteinerte Bäume aus dem feinen Sand. Für Botaniker ein lebendiges Labor der Evolution! Der extrem karge, sandige und nährstoffarme Boden filtert das Wasser sofort und heizt sich unter der Sonne massiv auf. Wir begeben uns auf die Spuren einer einzigartigen Wüsten- und Steppenflora, denn nur echte Spezialisten können hier überleben. Gemeinsam entdecken wir seltene, geschützte Pflanzenarten und faszinierende Flechten, die sich perfekt an dieses extreme Mikroklima angepasst haben und die steinernen Riesen umgeben. Hier erwarten wir König-Boris-Hundskamille (Anthemis regis-borisii), Strauchkronwicke (Coronilla emerus), Trübe Levkoje (Matthiola fruticulosa), Schwarzmeer-Steinkraut (Lepidotrichum uechtritzianum), Zwerg-Schwertlilie (Iris suaveolens), Gewöhnliche Berberitze (Berberis vulgaris), Rossschweif-Federgras (Stipa tirsa), Leindotter (Camelina sativa), Eingriffeliger Weißdorn (Crataegus monogyna), Gewöhnliches Greiskraut (Senecio vulgaris), Kegelfrüchtiges Leimkraut (Silene conica), Fünfmänniger Spark oder Fünfmänniger Spörgel (Spergula pentandra), Orientalischer Beinwell (Symphytum orientale), Weiße Esparsette (Onobrychis alba), Tragant (Astragalus varius), Ehrenpreis (Veronica multifida) und Balkan-Hauswurz (Sempervivum zeleborii).
Anschließend statten wir dem Archäologischen Reservat Madara und dem Naturpark Shumen-Plateau an der östlichen Grenze der Donautiefebene einen Besuch ab. 90% dieser Naturparks nehmen Wälder ein, die vor allem von Krimbuchen (Fagus x moesiaca) gebildet werden, aber auch Zerreiche (Quercus cerris), Bergahorn (Acer pseudoplatanus), weißfrüchtige Esche (Fraxinus angustifolia subsp. oxycarpa) und Judasbaum (Cercis siliquastrum) enthalten. Vor allem sind sie aber reich an Frühlingsorchideenarten wie Orchis purpurea, O. simia und O. tridentata sowie vielen Vögeln. Weitere Arten dieses Gebietes sind u. a. Zwerg-Schwertlilie (Iris pumila), Laxmanns Günsel (Ajuga laxmannii), die östlichsten Vorkommen der Zungen-Glockenblume (Campanula lingulata), Diptam (Dictamnus albus) und die Liburnische Junkerlilie (Asphodeline liburnica). Dann erreichen wir Veliko Tarnovo, das malerisch über den Steilufern des Jantra-Flusses gelegen auf eine lange und reiche Geschichte zurückblickt. (F, M, A)
Zwei Übernachtungen in Veliko Tarnovo.
9. Tag (So., 02.05.2027): Historische Veliko Tarnovo & Flora der Umgebung
Nach dem Frühstück erkunden wir die historische Altstadt von Veliko Tarnovo. Bereits aus der Bronzezeit zeugen erste Siedlungsreste, die Römer befestigten die Stadt, es folgten Byzantiner und Slawen. Im 13. und 14. Jahrhundert erlebte die damalige Hauptstadt des Zweiten Bulgarischen Reichs ihre Blütezeit. Über allem thront die majestätische Festung Tsarevets.
Am Nachmittag entdecken wir botanische Besonderheiten rund um die Stadt. Veliko Tarnovo liegt eingebettet in einer spektakulären Karstlandschaft, tief durchschnitten von den windungsreichen Mäandern des Flusses Jantra. Diese geologische Besonderheit schafft extreme Mikroklimata und bietet uns die seltene Gelegenheit, die hochspezialisierte Vegetation der lokalen Trockenrasen zu erforschen. Hier, auf kargem Kalkstein, überleben wahre Überlebenskünstler der Pflanzenwelt, die perfekt an Hitze und Trockenheit angepasst sind. (F, M, A)
10. Tag (Mo., 03.05.2027): Veliko Tarnovo – Shipka-Pass – Kazanlak/Rosental – Sofia
Frühjahrsflora & Kulturschätze im Balkangebirge
Von der ehemaligen Hauptstadt brechen wir zur Rückreise in die heutige Hauptstadt Bulgariens auf. Um die Möglichkeit zu mehr botanischen Pausen zu haben und auch die Frühlingsflora der Hochlagen erleben zu können, wählen wir die längere und landschaftlich reizvollere Route durch das Balkangebirge. Hier befinden sich z. B. Vorkommen von Crocus veluchensis, Leberblümchen (Hepatica nobilis) und Holunder-Knabenkraut (Dactylorhiza sambucina).
Vom Shipka-Pass führt die Bergstraße kurvenreich hinunter in das berühmte Rosental Bulgariens. 70% der weltweiten Rosenöl-Produktion stammen aus dem hiesigen, traditionsreichen Rosenanbau. Während der Fahrt durch die malerische thrakische Ebene besuchen wir bei Kazanlak auch eines der Thrakischen Königsgräber aus dem 4. Jh. v. Chr. Sie erhielten 1979 von der UNESCO den Weltkulturerbe-Status. Die thrakischen Stämme, die in der Antike auf der Balkanhalbinsel lebten, zeichneten sich durch hervorragende Kenntnisse der Goldschmiedekunst aus und spielten eine wesentliche Rolle in der antiken Balkankultur. (F, M, A)
Eine Übernachtung in Sofia.
11. Tag (Di., 04.05.2027): Rückflug Sofia – Frankfurt
Nach einem gemütlichen Frühstück heißt es dann Abschied nehmen von einer faszinierenden Reise mit zahlreichen botanischen, aber auch kulturhistorischen Neuentdeckungen. Transfer zum Flughafen Sofia und Rückflug nach Deutschland. (F)
Vorbehalt
Änderungen im Programmverlauf (beispielsweise wetterbedingt) behalten wir uns vor.